Mittwoch, 14. März 2018

Das letzte Aufgebot der Zwangstagsschule.

Kommentar zu Endlich: Widerstand gegen die Zwangstagsschule auch in der Politik.

Heut nur soviel: Nein, nicht Idealkinder schweben den Zwangstagsschulherolden vor; das wäre dumm genug. Was ihnen wirklich vorschwebt, ist das zur staatlichen Norm erhobene Durchschnittskind. Nicht nur für die Kinder, die durch Dauerbelehrung überfordert werden, ist der Ganztagsunterricht eine Qual, sondern für alle, die durch Stillsitzen und bleierne Langeweile unterfordert werden, ist sie eine unerträgliche Folter.

In ordnungspolitischer Hinsicht ist die Verstaatlichung der Kindheit ein Angriff auf unsere freiheitlich-demo- kratische Grundordnung. Kinder gehören nicht der Schule, nicht den Pädagogen, nicht der Verwaltung.

In sozialpolitischer Hinsicht ist sie eine Katastrophe. Sie verwüstet die Kindergellschaft mit all ihren sozialisa- torischen und moralisierenden Potenzen, und setzt an deren Stelle die Hackordnung der Pausenhöfe.


4. 12. 2016
 

Nachtrag. Kinder, wie die Zeit vergeht! Der obige Eintrag ist erst gut ein Jahr alt, aber schon hört man nirgendwo ein didaktisches Argument für die Zwangsstagsschule: Man habe mehr Zeit und könne mehr lernen. Das ist haar- sträubender Unfug, und jeder merkt es. Stattdessen das sozialisatorische Argument: Je länger die Kindern zusam- mengepfercht bleiben, umso gründlicher könnten sie "soziale Verhaltensweisen einüben". Bei diesem Unfug fal- len einem die Haare geradezu aus: Zivile Umgangsformen lernen Kinder untereinander, das ist wohl wahr, aber nicht unter der Käseglocke, sonden auf Straßen, Plätzen und in Parks; nämlich wenn sie unter einander sind.  

Da geben sie nun endlich zu: Es sind die Interessen der Wirtschaft an mehr Luft auf dem Arbeitsmarkt. Und die Betroffenen sekundieren: Wenn mehr gearbeitet wird, fallen für den Fiskus mehr Steuergelder an!



Dienstag, 13. März 2018

Zum Glaubenskrieg eignet sie sich nicht.

Kommentar zu Kinderverzwergung.

Kann ich einen Beitrag unkommentiert lassen, der zu sagen scheint: Früher war alles gut, jetzt machen sie bloß noch Sch... ? Früher wars nicht nur nicht gut, sondern nicht einmal besser. Warum fummeln sie dauernd dran rum und kommen doch nie zu einem Ende? Weil es die Schule ist, an der sie verschlimmbessern. Nur von etwas, das an und für sich richtig ist, kann man ein Ideal ausdenken, an das man sich in der Praxis im Rahmen der je gegebenen Bedingungen "annähern" kann - und sei es auch 'unendlich', ohne je einen endgültigen Zustand zu er- reichen.

Aber die Schule war stets und wird stets bleiben ein Notbehelf - jedenfalls, seit sie allgemein bildend sein soll, nämlich die ganze Bildung für das ganze Volk besorgend. Zuvor als spezielle Trainierstube für je privilegierte Stände in einer hierarchischen Gesellschaft mochte es für die je partikularen Zwecke optimal geeignete Formen geben, aber die waren nach historischen Gegebenheit ganz eng begrenzt. Als allgemeines Institut war die Schule von Anbeginn ein Bastard, und das einzig der wissenschaftlichen Erörterung werte Thema ist nicht, wie man sie perfektionieren, sondern wie man sie überwinden kann. 

Bis dahin gibt es nur Gewurschtel. Auch darüber ist natürlich bis aufs Blut zu streiten. Aber es ist immer nur ein Kampf zwischen schlecht und noch schlechter. Zum Glaubenskrieg eignet es sich nicht. 

11. 11. 14



Montag, 12. März 2018

„Erziehungswissenschaft“ oder: Die Standesideologie der pädagogischen Zunft.

Nebelschwaden

Der Weg eines Wissensfachs von der Aporetik, die zwanglos von einem Problem zum andern fortgeht, so wie sie es sich (praktisch) stellen, zur Wissenschaft ist  in den idiographischen Disziplinen nichts anderes als die Ausarbei- tung des theoretischen Modells, in dem das Idion logisch schematisiert ist. Es ist die Bestimmung eines Begriffs – seinem Umfang (extensio) und seinem Inhalt (intensio) nach.
 
Gibt es von "Erziehung" einen Begriff? Kann es eine Erziehungswissenschaft geben?

Der Begriff wäre die Antwort auf die Frage: Wer tut da was mit wem? Das ist das Idion. Wer mit wem, das wäre der Umfang; was, das wäre der Inhalt. Das Wie wäre gegebenenfalls Gegenstand des historischen Berichts, und wenn überhaupt, dann ließen sich aus ihm verallgemeinernde Sätze ableiten, die zwar 'Gesetzlichkeit' nicht für sich in Anspruch nehmen, aber doch einen pragmatischen Hinweis geben könnten, was man versuchen kann und was man besser unterlässt. Doch dies ist klar: Ohne Wer-was-mit-wem kann nach Wie gar nicht erst ge- fragt werden. Nicht nur auch, sondern gerade als historisches Fach ist "Erziehungswissenschaft" auf einen klaren und bestimmten Begriff angewiesen.

Ich mache es kurz: Die pp. Erziehungswissenschaft, d. h. ihre Königsdisziplin, die Allgemeine Pädagogik, kann einen solchen Begriff nicht geben.

"Erziehen = Von einem Menschen s1 auf einen Menschen s2 gerichtetes absichtsvolles und geplantes Zuführen von Impulsen mit dem Ziel, dass s2 diese Impulse als Reize oder Informationen so verarbeitet, dass s2 Verhaltensbereitschaften bewahrt oder erwirbt oder so verändert, das s2 (in einer festgelegten Zeit) Verhalten realisiert, das den Soll-Zuständen von s1 entspricht." Diese denk- würdige Definition, die uns Lutz Michael Alisch und Lutz Roessner  in "Erziehungswissenschaft und Erzie- hungspraxis"* gegeben haben, trifft auf den Bananenverkäufer auf dem Wochenmarkt und auf den Schaffner in der Straßenbahn ebenso zu. Ist sie bloß ein Kuriosum? Nein, sie spricht die Hilflosigkeit der ganzen Branche aus.

Erziehung?Irgendwie hat es mit Erwachsenen und mit Kindern zu tun (und kommen Sie mir jetzt nicht mit 'Erwachsenenpädagogik', Sie bringen ja alles nur noch mehr durcheinander!). Ach, und wenn wir in der Geschichte zurück- blicken, da stellen wir sogleich fest, dass es den 'Begriff', genauer: das Wort 'Erwachsener' grad mal seit zweihundert Jahren gibt – man merkt es schon an der verlegenen grammatikalischen Form: ein substantiviertes Partizip Perfekt. Vorher gab es Männer und Frauen (und Mütter und Väter); aber ein soziales Corps, das einem andern sozialen Corps namens Kinder als dessen Oppositum auflauerte, das gab es nicht.  Denn ein kint war noch im Mittelhochdeutschen zunächst ein Sohn oder eine Tochter, später konnte jeder Jüngere jedem Älteren gegenüber ein kint heißen. Nur einen bestimmten biologischen Entwicklungsstand – das bedeutet 'Kind' erst in der bürgerlichen Gesellschaft.

Tatsächlich entsteht der Sozialstatus 'Kind' erst in eben dem Maße, wie die Angehörigen der sich ausbildenden bürgerlichen Gesellschaft zu 'autonomen Subjekten’' (in der Philosophie), zu 'Warenproduzenten' (in der Natio- nalökonomie) und zu 'Berufsmenschen' (in der Soziologie) erwachsen. Seither erst kommen auch die Vokabeln 'Erziehung' und 'Pädagogik' in  Gebrauch. Die Markt wirtschaft sorgt für einen so hohen Grad gesellschaft- licher Arbeitsteilung, dass an ein stilles, stetiges Hineinwachsen wie in den Handwerksstuben und den Bauernhö- fen des Ancien Régime nicht mehr zu denken war. Seither bedarf es einer besonderen Schutz-, Dressur- und Zubereitungsphase, um zu einem vollgültigen Glied der Berufswelt gemacht zu werden. Von Pädagogen, von wem denn sonst?

Darum ist Pädagogik ein "Fach", und darum braucht es eine "Erziehungswissenschaft". Seine Extensio – das sind die Versorgungsansprüche der Pädagogen. Ihre Intensio sind die Wörter, die sie gebrauchen, um diesen Umstand zu verschleiern. Vorangegangen ist auf diesem Wege Friedrich Daniel Schleiermacher, den sie darum mit Grund als ihren Stiftungsvater erkennt.

Historisch war es zwar Johann Friedrich Herbart, der sie eine halbe Generation zuvor mit seiner Allgemeinen Pädagogik als akademisches Fach begründet hat. Aber er war ein erklärter Gegner der Schule. Und zwar nicht zuletzt aus diesem Grunde: weil sie auf die Dauer einen Berufsstand züchtet, dessen Eigeninteresse sich an die Stelle der pädagogischen Zwecke zu drängen neigt – zumal, wenn es "in öffentlichem Dienst" auftreten darf. Kein Wunder, dass man ihm einen Schleiermacher vorzieht.

Der allererste Schritt beim Verschleiern ist, den pädagogischen Berufsstand aus dem Blickfeld verschwinden und in einem 'Großen Ganzen' untergehen zu machen. Der Schleiermacher blieb bis heute darin vorbildlich: "Ein großer Teil der Tätigkeit der älteren Generation erstreckt sich auf die jüngere, und sie ist umso unvollkomme- ner, je weniger gewusst wird, was man tut und warum man es weihrauchfasstut. Es muss also eine Theorie geben, die von dem Verhältnisse der älteren Generation zur jüngeren ausgehend die Frage stellt: Was will eigent- lich die ältere Generation mit der jüngeren?"
 
Da "die jüngere Generation" hier nur als Objekt in Frage kommt, die nichts zu "wollen" hat, mag ihm dieser Ausdruck hier durchgehen. Wenn aber die "ältere Generation" etwas will, dann… muss sie ein Subjekt sein. Das ist sie offenkundig nicht, wie sollte sie? Der Aus- druck ist eine bloße Mystifikation, unter der sich ein materielles Inter- esse tarnt. Die Pädagogenschaft "will" stellvertretend für alle andern. Man hätte wohl meinen können, mit der 'älteren Generation' seien hier die Eltern von Kindern gemeint. Aber deren "erziehende Tätigkeit verteilt sich ihnen unter ihr ganzes übriges Leben und tritt nicht gesondert hervor."  Davon gibt es daher keine Wissenschaft. "Man bezieht also die Erziehungslehre auf diejenigen, die den Eltern beim Erziehen helfen" – verschämt ausge- drückt; man bezieht sie also auf die Erwerbspädagogen.
 
Wie kommen die aber zu ihrer Stellvertreterrolle, was rechtfertigt sie? Plötzlicher Anflug christlicher Demut: "Ich sehe keinen andern Rat, als an dieser Stelle unserer Untersuchung abzubrechen und zu sagen, wir müssen an die jetzt bestehende Form der Erziehung unsere Theorie anschließen." Und das ist die Quintessenz des Ganzen! Zum Trost breitet er uns einen Weihrauchschleier drüber: Es nennt 'das Ganze' "Praxis", und damit ist es glück- lich aller Kritik entzogen; der wissenschaftlichen zumal.
 
Wissenschaft ist öffentliches Wissen. Sie ist entstanden, um in der Öffentlichkeit ein Feld abzustecken, innerhalb dessen Meinungsverschiedenheiten, die immer auch von Interessen geprägt sind, vernünftiger Weise nicht mehr möglich sind. Dies ist ihr historischer Sinn.

Das Aufkommen der Wissenschaften im Abendland des siebzehnten, achtzehnten Jahrhunderts war das politische Weltergeignis schlechthin. Herrschaft konnte von nun an gemessen werden an dem, was 'als vernünftig erkannt' war. Und nur so ist eine repräsentative, nämlich die Staatsbürger repräsentierende politische Ordnung überhaupt denkbar.

Die Öffentlichkeit erwartet allerdings von der Wissenschaft, dass sie Gesetzestafeln erstellt, in die man die 'kon- kreten Fälle' nur noch einzutragen braucht, um die 'richtige Lösung' sogleich ablesen zu können. Es liegt daher im Interesse sowohl der Öffentlichkeit als auch der Wissenschaft selbst, ihre Grenzen möglichst scharf zu ziehen.

Charlton Heston als Moses

Nirgends ist das dringlicher als bei der Erziehung der heranwachsenden Generationen. Schon wegen unserer Zukunft, nicht wahr? Aber auch, weil der Steuerzahler sein Geld nicht gern vergeudet. Doch die Öffentlichkeit glaubt nur zu gern, dass die Erziehungswissenschaft ihr Gesetzestafeln zeigt, aus denen abzulesen ist, "was zu tun sei". Doch eben das kann sie nicht bieten. Sie ist keine 'nomothetische' Disziplin, die Naturgesetze freilegt, die auf die "Praxis" nur noch anzuwenden wären. Die ein jeder, unabhängig von Stand und Geburt, aber unab- hängig auch von persönlichem Vermögen, nur zu lernen bräuchte, um sie zu beherrschen. Gesetze, die eine be- rufliche Zunft als Ganze rechtfertigen könnten und den Einzelnen seiner Verantwortung enthöbe…

Und so hätte es gern auch die Erwebserzieherschaft. Ihre Vorlieben sind Techniken, Methoden und Strukturen, über nichts reden sie lieber. Dass zum Pädagogen nur taugt, wer dazu taugt, kommt unter den Teppich. Störend ist das Wuchern der sogenannten Erziehungswissenschaften nicht an sich selbst – das wäre nur ein akademisches (und vielleicht fiskalisches) Problem. Störend, nein: katastrophal ist, dass die Fiktion einer Wissenschaft, die "die Praxis begründet", den Beruf des Erziehers radikal entwertet, indem sie seine personale Verantwortung an ein Drittes delegiert – eine anonyme Instanz, einen Wörterberg, den man dreht und wendet wie man will, weil er sich nicht wehren kann. Doch was er zu tun und zu lassen hat, muss der Erzieher selber wissen

Nicht "zu viel Wissenschaft" gibt es bei uns im Erziehungsgetriebe. Davon kann es gar nicht zu viel geben, wenn man es so versteht, wie es in einem idiographischen Fach nur zu verstehen ist: als Kritik. Sondern es gibt zu viel Pseudowissenschaft, und umso mehr Kritik ist nötig: an dem "dialektischen Schein", dass aus dem bloßen Kom- binieren von Begriffen sachliche Erkenntnis möglich würde. Newtons nil in verbis! gehört über unsere Schulporta- le geschrieben.

aufgenommen durch das Teleskop, das Isaac Newton gehörte

Die empirische Sozialforschung kann – in Längs- und in Querschnitten – herausfinden, welche Institutionen in der Geschichte ursächlich irgendwie mit der Verbreitung einzelner kultureller Kompetenzen in einem Gemein- wesen zusammenhängen. Aber die Summe dieser Kompetenzen insgesamt begrifflich unter "Erziehung" zu fassen, ist genau so ein definitorischer Gewaltakt wie "Intelligenz ist das, was der IQ-Test misst". Darauf können sich Forscher in heuristischer Absicht einstweilen verständigen. Aber ansonsten ist es rein nominal und Schall und Rauch.
 
Eine solche historisch vergleichende Wissenschaft "vom Erziehen" könnte, wenn sie eben mehr sein wollte als ein Zweig der Humanethologie, nur die Meinungen sammeln, die andere Leute über ein X geäußert haben, das sie "Erziehung" nannten – und sie logisch-kritisch aufbereiten. Darüber hinaus kann sie in literarischer Sprache erzählen, was dieselben Leute – soweit man es sehen kann – dabei getan haben. In einer irgend exakten Weise be- obachten kann sie es aber nicht, denn eben dazu bräuchte sie Begriffe, die sie nicht hat noch haben kann. Und in ganz besonders farbigen Worten kann sie uns ausmalen, was dabei "herausgekommen" zu sein scheint – im Guten wie im Bösen. Das ist wörtlich gemeint: Es ist am Ende eine Frage von gut und böse. Das taugt nicht für Wissenschaft, sondern für den Roman.

In nüchterne Worte gebracht, zerfiele diese Forschungsrichtung in 1) Doxologie, und 2) historische Institutions- soziologie. Aber wie die beiden zusammenhängen – folgt die Meinung aus den Institutionen oder folgen die In- stitutionen aus den Meinungen; oder was heißt hier "Wechselwirkung“"? – das bleibt immer Sache eines herme- neutischen Kunststücks. Und so allein gehört Wissenschaft in die pädagogischen Ausbildungspläne – historisch und kritisch.

Denn was er tun soll, muss ein Erzieher eben selber wissen. Er ist ein darstellender Künstler, der es immer drauf ankommen lassen muss.

Weihrauch
*) München 1981, S. 38 



Nota. Die obigen Fotos gehören mir nicht, ich habe sie im Internet gefunden. Wenn Sie der Eigentümer sind und ihre Verwendung an dieser Stelle nicht wünschen, bitte ich um Nachricht auf diesem Blog.

Sonntag, 11. März 2018

Das Lachen der Auguren, oder Die Ehrenwerte Gesellschaft hält Hof.

The Mob

26. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft

Cathrin Becker
Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen
 
08.03.2018 12:14 

2.000 Teilnehmende, 300 Veranstaltungen, Politikprominenz: Vom 18. bis 21. März bringen nationale und internationale pädagogische Fachkräfte an der Universität Duisburg-Essen (UDE) viel in Bewegung. Passend zum Motto des 26. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE), werden am Campus Essen neueste Forschungsergebnisse diskutiert und wie sie sich auf die pädagogische Ausbildung oder die Bildungs- und Sozialpolitik auswirken.

Die pädagogische Arbeit in Schule, Jugendhilfe und Erwachsenenbildung muss sich immer wieder verändern. In Bewegung ist vieles: Der Aufbau von inklusiven Schulen stellt das hiesige und europäische Schulsystem in Frage. Die Digitalisierung erfordert neue Lernkonzepte. Neue politische und religiöse Strömungen verlangen pädagogische Aufmerksamkeit. Flucht und Migration prägen den Alltag vieler Kinder und Jugendlicher theoretisch wie praktisch.

„Wie prompt pädagogische Organisationen auf solche Herausforderungen reagieren können, zeigt das Beispiel Migration und Flucht“, erklärt Prof. Fabian Kessl, Erziehungswissenschaftler an der UDE und Sprecher des Lokalen Organisationskomitees. „Gleichzeitig sehen wird an Inklusion und Digitalisierung, wie schwer sich die Bildungspolitik – trotz aller Initiativen in Schulen oder der Jugendhilfe – tut, die aktuelle Bewegung zu unterstützen. Wir möchten Lehrkräften, Sozialpädagogen und Weiterbildnern das notwendige Wissen zur Hand geben, um professionell damit umgehen zu können“, so Kessl weiter.

Auf den Weg nach Essen machen sich nicht nur die DGfE-Mitglieder, sondern auch zahlreiche internatio- nale Fachleute der Erziehungswissenschaften. 300 Veranstaltungen stehen auf dem viertägigen Kongress-Programm, das mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion am 18. März beginnt. Interessierte sind ab 18.00 Uhr im Essener Ratssaal willkommen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Staat heute noch Bildung und Schule steuern kann und welchen Einfluss Unternehmen und Stiftungen auf Lehrpläne und Unterrichtsgestaltung nehmen.

Die festliche Kongresseröffnung findet einen Tag später im Neuen Audimax statt. Die NRW-Schulmini- sterin Yvonne Gebauer, der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen und der Bildungsdezernent der Stadt Duisburg, Thomas Krützberg, werden erwartet. Den Weg zur Veranstaltung werden Absolventen der Folkwang Universität und UDE-Studierende musikalisch, tänzerisch und mit Texten begleiten. „So wird unser Kongressthema für alle Gäste bereits auf ihrem Weg zur Eröffnung greifbar“, so Kessl.

Hinweis für die Redaktion:
Ausblick auf den Kongress gibt eine Pressekonferenz am 13. März (12:45-14:15 Uhr) zum Thema „Inklusion – Das Bundesdeutsche Bildungssystem in Bewegung?“. Die PK findet in der Landesvertretung NRW in Berlin (Hiroshimastraße 12) statt.
https://www.uni-due.de/imperia/md/images/bilder/pm_downloads/2018/18-03-08_pk-in...

Pressekontakt: David Huth, Tel.: 0172 / 2561888,, dgfe2018.presse@uni-due.de


Weitere Informationen:
http://www.dgfe2018.de


Nota. - Im alten Rom war es so: Wenn sich zwei Auguren begegneten - Das waren die, die aus dem Vogelflug und aus den Därmen der Opfertiere die Zukunft lasen -, konnten sie sich das Grinsen nicht ver- kneifen; sie kannten einander zu gut. Wenn sich dagegen bei uns zwei Erziehungswissenschaftler begeg- nen, machen sie ein todernstes Gesicht, lachen können die gar nicht. Warum? Bezahlt werden sie von der Öffentlichkeit, und so fühlen sie sich ständig unter Beobachtung. Es ist eine verquere Form von schlechtem Gewissen.

Dass das, was sie tun, mit Wissenschaft nicht viel gemein hat, weiß oder ahnt doch wenigstens jeder von ihnen. Doch in der Öffentlichkeit darf es sich nicht zu weit herumsprechen, aber die glaubt gottlob, etwas sei Wissenschaft, sobald sie es nicht mehr versteht. Das ist das Geschäftsgeheimnis der Erziehungswissen- schaft, und um es zu wahren, veranstalten sie regelmäßig Weihefeiern, bei denen sie einander Rauch in die Nasen blasen. Nur die Jüngeren und Unerfahrenen gehn dabei einander wirklich auf den Leim. Die andern geben sich damit zufrieden, dass sie, wenn es ihnen gelingt, Andere zu belügen, umso easier sich selbst be- lügen können. Das ist wie beim Alkoholiker, der einen Ko-Alkoholiker braucht, dem er was vormachen kann.

Es ist nun wiedermal soweit.
JE

Dienstag, 6. März 2018

Rütli-Schule - kenn'Se noch?

aus Tagesspiegel.de, 6. 3. 2018

... Je mehr Informationen ans Licht kommen, desto mehr erinnert der Fall der Schöneberger Spreewald-Schule an die Lage der Neuköllner Rütli-Schule vor zwölf Jahren. Und zwar sowohl in Bezug auf das Verhalten der Schüler, als auch in Bezug auf das Nichthandeln der Ämter.

Nach Informationen des Tagesspiegels hatte die Schulleiterin in etlichen Schreiben an das Jugendamt, an den Bezirk und an die Schulaufsicht ihre Notlage geschildert. In ihren Bittbriefen ging es um eine zusätz- liche Sozialarbeiterstelle, um die Reparatur der Schließanlage sowie um einen Sicherheitsdienst, weil die Gewalt immer mehr eskalierte. Die Rede war auch von Morddrohungen unter den Schülern, Gewalt gegen Schulpersonal sowie von fehlenden Lehrern. Zudem wurden die Vorgesetzten darüber informiert, dass sich neue Lehrkräfte angesichts der Zustände in den Klassen entweder sofort in die Krankheit flüchteten oder überwiegend damit beschäftigt seien, Schüler am Verlassen des Klassenraums zu hindern. ...


Nota. - Dabei ist die Lösung denkbar einfach: Sperrt sie den Ganzen Tag zusammen, dann kehrt von ganz alleine Frieden ein.
JE

Montag, 5. März 2018

Das Paradox öffentlicher Erziehung.

Atlas

Die charakterliche Bedingung für einen pädagogischen Beruf ist die Bereitschaft zur Verantwortung; und zwar, bevor man sie für andere übernimmt, die für das eigne Tun und Lassen.
 
Das ist aber keine gute Voraussetzung für einen längeren Aufenthalt in der öffentlichen Verwaltung.




Freitag, 2. März 2018

Adäquates Verhalten in der Schule zahlt sich aus.



Jenes Institut, das sich heute unter dem Namen 'die Schule' über die ganze Welt verbreitet hat, ist in seinen Grundzügen in der Klöstern des mittelalterlichen Europa entstanden; als ein Ort, wo die von kriegerischen Rittern beherrschte Feudalgesellschaft mit der nötigen Dosis buchgelehrter Kleriker versehen wurde, die ein wenig Frieden bringen konnten - in die Herzen und, so Gott wollte, auch ein wenig in die Städte und Fluren. Sie waren mental gewissermaßen der 'weibliche' Teil in einer von männlichen Tugenden geprägten Adelsgesellschaft. Nicht, was vom heranwachsenden Ritter an männlichen Tugenden zu erwarten war, wurde dort gepflegt, son- dern deren friedfertig ordnungsliebender Widerpart - Fleiß und Ausdauer. Die Mittel: stundenlanges Stillsitzen, Mundhalten, Nachsprechen und Repetieren. Während an den erstgeborenen Söhnen der herrschenden Krieger- kaste Kraft, Mut und Abenteuergeist gefördert wurden, mussten sich ihre nachgeborenen Brüder in Sanftmut, Frömmigkeit und - nun ja, Verschlagenheit üben. Die Schule war nicht - schon damals nicht - der Ort, wo Jun- gen Männer werden durften.


In dem Maße, wie die Gesellschaft bürgerlicher wurden, kamen neben den Jungenschulen auch Institute für Mädchen auf, und als die industrielle Revolution der neunzehnten Jahrhunderts die bäuerliche Bevölkerung zu Industriearbeitern proletarisierte, wurde die Elementarschule zur Pflicht und das pfäffische Ideal des arbeitsa- men Duckmäusers zur Norm. Für die Mädchen nun auch wie für die Jungen. Und beim Lehrpersonal der Volksschulen waren die Frauen bald typischer als die Männer.

Natürlich hat sich im zwanzigsten Jahrhundert allerhand getan, der industrielle Tagelöhner ist auch schon längst nicht mehr der Standardfall des Arbeitslebens. Der höherqualifizierte Angestellte, dem man auch schonmal eigene Entscheidungen zumuten konnte - idealiter: der Staatsbeamte - wurde zum Produktionsziel der allge- meinbildenden Schulen, und dazu taugen Mädchen mindestens ebeno wie Jungen; wenn nicht mehr!

Fragen Sie sich jetzt immer noch, wie es kam, dass unsere Schulen zur Vorbereitung weiblicher Karrieren in der postindustriellen Berufswelt besser geeignet sind als zur Entwicklung männlicher Talente? 

 7. 10. 2013

...doch schulgerechtes Verhalten macht sich bezahlt!


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„Sekundärtugenden“ machen Schüler erfolgreicher
Dr. Karl G. Rijkhoek 
27.02.2018 16:14
 
Internationale Studie belegt den Zusammenhang zwischen dem Verhalten in der Schule, beruflichem Erfolg und späterem Einkommen
 
Oft geschmähte schulische „Sekundärtugenden“ wie Fleiß oder Verantwortungsgefühl haben offenbar einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben, und zwar unabhängig von der Intelligenz der Schülerinnen und Schüler sowie von Bildung oder Einkommen ihrer Eltern. Verantwortungsvolle Teenager, die Interesse an schulischen Themen zeigen und ihre Aufgaben erledigen, haben nicht nur bessere Noten in der Schule, sondern sind auch erfolgreicher im Beruf und verdienen besser. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen, der University of Houston und der University of Illinois in Urbana-Champaign. „Das beeindruckende an diesem Ergebnis ist, dass unser Verhalten einen Einfluss darauf hat, was aus uns wird und nicht nur, wie wir von der Natur oder unseren Eltern ausgestattet wurden“, sagt Marion Spengler von der Universität Tübingen, die Erstautorin der Studie. Die Ergebnisse wurden im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

Der Studie liegen Daten aus einer Langzeiterhebung des American Institutes for Research zugrunde, bei der im Jahr 1960 346.660 Schülerinnen und Schüler der neunten bis zwölften Klasse nach ihren Einstellungen, ihrem Verhalten und ihren Lese- und Schreibfähigkeiten befragt wurden. Zudem wurden breite Persönlichkeitsmerkmale und kognitive Fähigkeiten erhoben sowie das Einkommen der Eltern und demographische Merkmale wie Geschlecht oder Ethnie. Elf Jahre später wurden 81.912 Personen zu ihren Bildungs- und Berufsbiographien befragt und nach 50 Jahren machten erneut 1.912 Personen Angaben zu ihrem Bildungsabschluss sowie ihrem jährlichen Einkommen und ihrem beruflichen Status.

Es zeigte sich, dass verantwortungsvolle Schülerinnen und Schüler, die Interesse an der Schule zeigten, ihre Schul- und Hausaufgaben erledigten und wenig Probleme mit Lesen und Schreiben hatten, sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren noch einen höheren Bildungsabschluss und einen angeseheneren Job hatten. Außerdem war ihr Einkommen nach 50 Jahren höher als das Gleichaltriger, die kein großes Interesse für die Schule mitbrachten. „Das bedeutet natürlich nicht, dass adäquates Verhalten in der Schule zwangsläufig zu beruflichem Erfolg führt“, betont Spengler. „Die Ergebnisse zeigen jedoch einen robusten Zusammenhang.“


Originalpublikation:
Spengler, M., Damian, R. I., & Roberts, B. (2018). How You Behave in School Predicts Life Success Above and Beyond Family Background, Broad Traits, and Cognitive Ability. Journal of Personality and Social Psychology. doi:10.1037/pspp0000185
Link zur Studie: http://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-pspp0000185.pdf


*

Jungen würden in der Schule benachteiligt, weil die Schule ihrer Natur nach männliche Eigenschaften diskrimi- niert? Ach, wenn es so einfach wäre! Dann müsste man ja nur die Schulen ändern, und alles käme ins Lot.

Aber das Problem liegt tiefer: Schulen diskriminieren männliche Eigenschaften, weil in der Angestelltenzivilisation männliche Eigenschaften unnütz und störend sind. Ein Silberstreifen am Horizont: Die voranschreitende Digi- talisierung der materiellen Produktion sollte die Angestelltenzivilisation erübrigen und durch einen neuen Un- ternehmungsgeist ersetzen.